Es gibt diese Phase im Juni, rund um die kürzeste Nacht, wenn die Luft schwer ist von Holunderblüten und das Johanniskraut auf den Wiesen leuchtet wie 1000 kleine Sonnen. Man möchte stehenbleiben, einatmen, festhalten – und weiß gleichzeitig: Genau jetzt ist der Höhepunkt. Und genau jetzt beginnt das Licht, sich leise zurückzuziehen.

Die Sommersonnenwende ist das Fest der Fülle und des Wendepunkts zugleich. Eine gute Zeit also, um innezuhalten, zu ernten – und zu teilen.

Genau das tue ich mit der zweiten Ausgabe meines Journals „Salzwind und Kräuterduft“ – Kräuter, Märchen, Herzensweisheit. Wer Band 1 zu Beltane kennengelernt hat, weiß bereits: hier geht es nicht um schnelle Tipps, sondern um tieferes Eintauchen. Um Pflanzenwissen mit Geschichte. Um Rezepte mit Seele. Um Geschichten, die länger nachhallen als ein Instagrampost.

Mein Blog bleibt euer lebendiger Begleiter im Alltag – mit Impulsen, Einblicken und Gedanken direkt von der Ostseeküste. Das Journal ist das üppige Gegenstück dazu: zum Verweilen, Nachkochen, Nachdenken und Weiterträumen.

Hier ist ein Vorgeschmack auf das, was euch in Band 2 erwartet:

Ein Kreis aus Licht und Kräutern

Wie man den längsten Tag des Jahres in die Hände nimmt – und einen Kranz flicht, der mehr ist als Dekoration.
Ein Kranz ist ein Kreis – und ein Kreis hat weder Anfang noch Ende. Wenn wir zur Sommersonnenwende einen Kranz flechten, halten wir den Jahreskreis buchstäblich in den Händen. Die Pflanzen, die wir einbinden, sind auf dem Gipfel ihrer Kraft. Die Hände, die flechten, sind beschäftigt und zur Ruhe gekommen zugleich. Und das fertige Werk erinnert uns noch Wochen später daran: Es war Sommer. Es war Fülle. Es war gut.

Was du brauchst

Für einen einfachen Sonnenwendkranz brauchst du keine besondere Vorkenntnis – nur offene Augen beim Spazierengehen und ein bisschen Zeit.

Grundmaterial:

Biegsame Zweige als Kranzbasis – Weide, Birke oder Brombeerranken eignen sich wunderbar.
Kräuter und Blüten für den Sonnenwendkranz: Johanniskraut (natürlich!), Schafgarbe, Kamille, Lavendel, Holunderblüten, Wildrose, Königskerze, Ringelblume, Wiesenklee, Gräser und Getreideähren – alles, was der Sommer gerade schenkt. Je bunter und duftender, desto schöner.

Dazu:

Gartenschere, Draht oder Blumendraht zum Befestigen, ein roter Faden zum Abschließen – Rot ist die Farbe des Schutzes und der Kraft.

Schritt für Schritt:

Beginne damit, deine Zweige zu einem Ring zu formen und mit Draht zu fixieren. Dann sammelst du deine Kräuter und Blüten in kleinen Büscheln zusammen, jeweils drei bis fünf Stängel.

Befestige die ersten Büschel am Kranz – mit Draht, Blumenband oder einfach indem du die Stiele unter die vorherigen klemmst. Arbeite immer in dieselbe Richtung, im Uhrzeigersinn – so, wie die Sonne wandert. Lass die Büschel etwas überlappen, damit keine Lücken entstehen.

Wechsle die Kräuter ab – Farbe neben Farbe, Duft neben Duft. Wenn du möchtest, binde einzelne Blüten mit dem roten Faden ein. Am Ende schließe den Kreis, indem du das letzte Büschel unter das erste schiebst, und befestige alles gut.

Was dann?

Trage den Kranz in der Mittsommernacht auf dem Kopf und hänge ihn dann an die Tür oder ans Fenster – er duftet wunderbar und trocknet langsam zu einem zarten Erinnerungsstück. Wenn er getrocknet ist, kannst du einzelne Kräuter daraus für Tees oder zum Räuchern verwenden. Oder du lässt ihn hängen bis zur nächsten Sonnenwende – als stille Erinnerung an den längsten Tag des Jahres.

Ein selbstgeflochtener Kranz ist ein Geschenk an sich selbst. Er sagt: Ich habe mir Zeit genommen. Ich habe auf die Natur gehört. Ich habe den Sommer in die Hände genommen.

Mondnacht

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff