Mabon – Vom Gleichgewicht des Lichtes und der Dunkelheit
Heckengold – die Beerenernte des Herbstes
Was in den Knicks und Hecken wartet – und was man wirklich damit tun kann
Es gibt keinen schöneren Spaziergang im Herbst als einen entlang einer alten Knickhecke. Rechts und links leuchten die Früchte in allen Schattierungen von Rot, Orange, Blau und Schwarz. Die Hecke ist im Herbst Apothekerschrank, Speisekammer und Schatzkammer zugleich – und sie gibt gerne, wenn man respektvoll mit ihr umgeht. Eine goldene Regel: Immer nur so viel ernten, wie man wirklich verarbeiten kann, und immer genug für Vögel und Tiere lassen, die auf diese Früchte als Winternahrung angewiesen sind.
Holunderbeeren (Sambucus nigra)
Ernte: August bis Oktober, wenn die Beeren tief schwarzviolett und glänzend sind. Immer die ganzen Dolden abschneiden und erst zu Hause entstielen.
Wirkstoffe: Anthocyane (stark antioxidativ), Flavonoide, Vitamin C und A, Kalium, ätherische Öle.
Heilwirkung: Eine der wirksamsten heimischen Immunpflanzen. Antiviral, entzündungshemmend, immunstärkend. Besonders wertvoll bei Erkältungen und grippalen Infekten – verkürzt nachweislich die Krankheitsdauer.
Wichtig: Niemals roh in größeren Mengen verzehren – das enthaltene Sambunigrin kann Übelkeit verursachen. Durch Erhitzen vollständig neutralisiert.
Verwendung: Sirup, Saft, Gelee, Suppe, Tinktur, Tee aus getrockneten Beeren.
Hagebutten (Rosa canina)
Ernte: September bis November. Leuchtend rot bis dunkelrot, leicht nachgebend beim Drücken. Nach dem ersten Frost werden sie weicher und süßer.
Wirkstoffe: Vitamin C (bis zu 20-fach höher als in Orangen!), Fruchtsäuren, Flavonoide, Carotinoide, Pektine.
Heilwirkung: Stärkt das Immunsystem, wirkt entzündungshemmend und antioxidativ. Ein klassisches Herbst- und Wintertonikum, besonders wertvoll bei Gelenkbeschwerden und zur Infektvorbeugung.
Wichtig: Kerne und die feinen Härchen im Inneren sorgfältig entfernen – sie können die Schleimhäute reizen.
Verwendung: Tee, Marmelade, Sirup, Pulver, Mus, Likör.
Schlehen (Prunus spinosa)
Ernte: Ab Oktober, am besten nach dem ersten Frost. Alternativ: nach der Ernte ins Tiefkühlfach legen, um den Frost zu simulieren.
Wirkstoffe: Gerbstoffe, Flavonoide, Fruchtsäuren, Vitamin C.
Heilwirkung: Adstringierend und zusammenziehend auf Schleimhäute – ideal bei Durchfall und Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Die Gerbstoffe wirken außerdem entzündungshemmend.
Wichtig: Vor dem Frost nahezu ungenießbar – sehr herb und adstringierend. Erst Frost oder Tiefkühlung macht sie mild und aromatisch.
Verwendung: Schlehenlikör, Schlehengelee, Schlehenessig, Chutney.
Weißdornbeeren (Crataegus monogyna)
Ernte: Ab Oktober bis in den November hinein. Die kleinen roten Beeren halten sich lange am Strauch.
Wirkstoffe: Flavonoide, oligomere Procyanidine (OPC), Triterpensäuren – dieselben Herzwirkstoffe wie in Blüten und Blättern.
Heilwirkung: Stärkt die Herzmuskulatur, reguliert den Blutdruck sanft, beruhigt das Nervensystem. Wer Band 1 kennt, weiß: Der Weißdorn ist die Pflanze des Herzens – und das gilt auch für seine Früchte.
Verwendung: Herztonikum-Likör, Beerenmus, Tee aus getrockneten Beeren, Tinktur.
Ebereschenbeeren (Sorbus aucuparia)
Ernte: Ab Oktober, unbedingt nach dem Frost oder nach dem Einfrieren verarbeiten.
Wirkstoffe: Vitamin C, Sorbit, Carotine, Parasorbinsäure (wird durch Hitze oder Frost abgebaut).
Heilwirkung: Immunstärkend, reich an Antioxidantien. Traditionell bei Blasen- und Nierenbeschwerden eingesetzt.
Wichtig: Roh enthalten sie Parasorbinsäure, die Übelkeit verursachen kann. Durch Hitze oder Frost wird sie abgebaut – immer erhitzen oder einfrieren!
Verwendung: Gelee, Likör, Chutney, Saft – wunderschön leuchtend orangerot und aromatisch herb.
Brombeeren (Rubus fruticosus)
Ernte: Bis Ende September – danach, so sagt die alte Volksweisheit, gehören sie dem Herbstnebel. Die letzten Brombeeren sind oft weniger aromatisch.
Wirkstoffe: Vitamin C, Vitamin K, Folsäure, Mangan, Anthocyane, Gerbstoffe.
Heilwirkung: Stark antioxidativ, entzündungshemmend. Die Blätter wirken adstringierend bei Durchfall und Mundschleimhautentzündungen. Die Beeren stärken das Immunsystem und wirken positiv auf die Darmflora.
Verwendung: Frisch, als Marmelade, Saft, Chutney, Likör – oder eingefroren für den Winter.
Praktische Ernte-Hinweise für alle Beeren
Am besten an trockenen, sonnigen Tagen ernten – feuchte Beeren schimmeln schnell. Ein scharfes Messer oder eine Schere ist beim Ernten hilfreich. Und das Wichtigste: immer mindestens ein Drittel der Früchte am Strauch lassen – für die Tiere, die sie als Winternahrung brauchen, und für den Strauch selbst.
Die Hecke gibt viel. Sie braucht dafür nur eines: Respekt und Dankbarkeit.
Das Brombeermännlein
Zwischen den Bäumen in meinem Park lasse ich gerne einige Inseln aus Gebüschen und Wildnis, damit die Tiere des Waldes sich dorthin zurückziehen können. Dort wachsen Haselbüsche, Weißdorn und vor allem Brombeeren. Im Spätsommer genieße ich nichts mehr, als die von der Sonne durchwärmten süßen Brombeeren zu naschen. An einem solchen Tag geschah etwas Denkwürdiges, das mein ganzes Leben verändern sollte.
Ich stand an einem Brombeerbusch und wollte nach einer der Beeren greifen, als ich eine leise krächzende Stimme hörte: „Lass die Beere, sie hat einen Wurm. Nimm diese!“ Ich schaute in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war und entdeckte ein kleines Männlein mit holziger Haut, einer Hakennase und Widderhörnern auf dem Kopf.
Es streckte mir eine Brombeere entgegen und sah mich fröhlich aus seinen dunklen Augen an. Ich zögerte einen Moment, weil ich Sorge hatte, versehentlich in das Reich der Feen und Elfen gelangt zu sein, wo man lieber keine Speisen und Tränke annahm. Doch als sich dann auch noch ein vergnügter Zaunkönig zu ihm gesellte und mir aufmunternd zu zwitscherte, griff ich nach der Beere.
Sie fühlte sich kalt und fest wie Stein an, und als ich sie gerade zum Mund führen wollte, erhob das Männlein seine Hand: „Halt! Diese Beere ist nicht essbar! Sie birgt die Essenz aller Brombeerbüsche und ist deswegen so hart wie Stein. Du musst diesen Brombeerstein über Nacht in ein Glas Wasser legen und am Morgen trinken. Das Wasser wird schwarz werden, wie der Saft der Beeren. Dieses Elixier wird Dir Gesundheit und ein langes Leben bescheren und Dir die Kraft schenken, weiterhin so ein wundervoller Hüter der Bäume zu sein.“
Vielen Dank für die Infos zu den Kostbarkeiten des kommenden Herbstes und das so liebevolle erzählte Märchen ??
Liebe Grüße
Chru
Lieben Dank. Das freut mich, dass Du es genossen hast. Liebe Grüße zurück Amely